Kontakt     |     Projekt "Rabenthal"
"Rabenthal" (Jörg Graser)
Der Theaterverein Club TH sieht sich als mobile Einsatzgruppe in der Welt des Theaters.
Wir sitzen am Ufer und fischen uns ein Stück aus der Theaterliteratur, dessen Thema und Aussage für die aktuelle Stimmung unmittelbar relevant ist. Einen seltsam geformten Ast etwa, der genau zu unserer momentanen Absicht passt. Das bedingt immer neue Fakten und Voraussetzungen, was die Hardware einer Theaterproduktion betrifft: Spielort, Ensemble, Ästhetik. Gleich bleibt nur der Anspruch auf höchstes künstlerisches Niveau.
Wir greifen ein Stück Theater auf und realisieren es, zum Beispiel "Rabenthal" von Jörg Graser.

Warum dieses Stück?
Was ist der Sinn des Lebens? Haha.
Was ist der Sinn von Kunst?
Was bzw. wie viel ist Kunst wert?
Der Kunsthändler Rabenthal ist bei der finalen Erkenntnis angekommen: "Ich habe alles weggeschmissen. Auf den Müll"
Er inszeniert das Ende der Kunst, das Gegenteil, die absolute, elementare, durch nichts mehr zu unterbietende Geschmacklosigkeit. Das ist der Angelpunkt einer aberwitzigen Handlung. Die Frage nach dem Sinn, vordergründig von Geschmack und Kunst, wird kunstvoll durch die Komödienmangel getrieben - und auf der anderen Seite verdampft alles in sprühend sarkastischem Witz und hintergründigem Humor.
Impressionisten, Expressionisten, der Zerfall der Form, informelle Kunst, Nihilismus, Aktion, Selbstverstümmelung - alles schon dagewesen, ach wie öde.
"Rabenthal" ist ein nihilistisches Stück Theater, geschrieben mit den klassischen Mitteln und einer saftigen Dialog - Pranke. Ein Stück mitten in unsere Zeit des Bilder-, Auktions-, und Downloadwahnsinns. Stationen einer künstlerischen Höllenfahrt bei der das lauthalsige Lachen nicht in der Kehle steckenbleibt, sondern, nachdem es den Raum erschüttert hat, in Einsamkeit versiegelt wird.
Hinunter mit der Kunst in den Orkus! Und lasst uns feiern!

Synopsis
Schauplatz Wien. Ein heruntergekommenes Souterrainlokal, eine Substandardwohnung, eine verkommene Villa.
Ein Kunsthändler und -sammler, seine frisch Angetraute, ein Fischkoch mit abenteuerlicher Biografie, eine steinalte Gräfin.
In dieser Spannweite - vom Souterrain bis die lichten Höhen der Kunst - spielt sich "Rabenthal" von Jörg Graser ab.
Der Kunstkenner Rabenthal führt seine Frau am Hochzeitsabend ins wohl "tiefste" Lokal Wiens mit der wohl außergewöhnlichsten kulinarischen Spezialität: "Living fish". Damit nicht genug bietet er dem Koch an, welcher im Konflikt zwischen Lebensmittelpolizei und Tierschutz hin und her taumelt, ihn für eine Flasche Schnaps in der Hochzeitsnacht zu vertreten.
Frau Helena verfällt in der Folge dem animalischen Koch - Künstler und zieht kurzerhand zu ihm. Beim finalen Diner, zu dem Rabenthal in eine baufällige Villa lädt, versucht der Koch mit japanischem Kugelfisch zu glänzen (wenn die Innereien nicht sauber entfernt sind, endet der Genuss tödlich).
Das Mahl gerät zum Desaster und die Frage nach dem Sinn von Kunst und Leben klärt sich auf unerwartete Weise.

Regiekonzept, Ästhetik der Inszenierung
Die 5 Szenen spielen in 4 verschiedenen Räumen; 6 Rollen sind darstellbar durch 5 Schauspielerinnen und Schauspieler:
Souterrainlokal, Küche im Lokal, Wohnung Koch, Saal in einer alten Villa. Diese Räume sollen durch wenige klare genaue Requisiten angedeutet sein. Ein Tisch, Sessel, ein fleckiges Tischtuch; eine Armatur, ein Kochtopf; usw. Der Rest des Raumes bleibt im Unbestimmten, franst aus wie die flimmernden Ränder bei den ersten Kinematografenbildern. Das Zentrum der Handlung ist scharf, in Sprache, Bild und Handlung, das Rundherum verliert sich. Die einzelnen Bilder, Orte, sind "Höhlenräume". Der Mensch nur auf seine unmittelbare Umgebung konzentriert, sich verzweifelt am anderen festhaltend, durch Erniedrigung des anderen oder Unterwerfung seiner selbst. Die Ästhetik der Aufführung verfügt also über eine starke bildnerische Komponente. So zieht man die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche, wie bei einem Film die Kamera den Blick bestimmt, bestimmt ihn hier die Ästhetik des Theaterbildes.
Im Film "KILL BILL" beherrscht der Regisseur Tarantino das Feld ab der ersten Sekunde, ab dem Vorspann. Stil, Ästhetik, Farben und Sprache knallt er auf einmal auf den Tisch. So soll auch "Rabenthal" aus einem Guss sein, Schauspieler, Sprache, Licht, Raum, Kostüm, Atmosphäre - ein Stück. Ein Kunstwerk, das davon handelt, dass wir keine Kunstwerke mehr brauchen und ertragen.

RABENTHAL = TARANTINO durch QUALTINGER

Besetzung

Maximilian Rabenthal, Kunsthändler  Michael Welz 
Helena Rabenthal, seine Gattin  Martina Poel 
Valentin Boscik, Fischkoch  Karl Fischer 
Franz Merkhofer, Kellner  N.N. 
Alfred Pospischil, Diener  N.N. 
Gräfin Beaulac, Gast bei Rabenthal  N.N. 
REGIE:  Peter Strauss 
BÜHNE / VIDEO / AUSSTATTUNG: Akira Sakurai / Ichiban 
KOSTÜME / FIGURENDESIGN:  Brigitte S-Berchtold 
MUSIK:  N.N. 
DRAMATURGIE: Peter Strauss, Alexandra Rollett
REGIEASSISTENZ: N.N.
TECHNISCHE LEITUNG: Akira Sakurai / Ichiban
PRODUKTIONSLEITUNG: Club TH
GRAFIK / LAYOUT: Akira Sakurai / Ichiban
KONZEPT: Peter Strauss, Michael Welz, Martina Poel


Der Autor:
Jörg Graser wurde 1951 in Heidelberg geboren, aufgewachsen in München.
Er studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Kommunikationswissenschaft an der LMU München, Abschluß Magister Artium.
Bis 1979 war Graser an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film als Assistent tätig. Seither arbeitet er als Dramatiker, Drehbuchautor, Film- und Fernsehregisseur in München.
Für seinen ersten Kinofilm, „Der Mond ist nur a nackerte Kugel“, mit Schriftsteller Peter Turrini und Sigfrit Steiner in den Hauptrollen, erhielt Graser 1981 den Bundesfilmpreis und 1983 den Tukan-Preis der Stadt München.
1990 gewann er den Publikumspreis des Filmfestivals in Cannes für „Abrahams Gold“.
„Die Blinden von Kilcrobally“ lief mit großem Erfolg im Akademietheater.
Urauffuehrung Rabenthal: Residenztheater München 12.11.1992
Regie: Rolf Stahl

Bühne und digitale Fiktion
Das Designstudio „Ichiban“ setzt sich seit 15 Jahren mit Malerei, Design und Animation auseinander. Der permanente Fokus in den zahlreichen Projekten war das Bestreben, Visualitäten unterschiedlichster medialer Natur miteiander zu verbinden, um unerwartete Kommunikationsformen zu erschaffen.
Rabenthal stellt die Herausforderung traditionsreiches Theater, Film-Ästhetik und Live-Visual-Technologie zu einer neuartigen Symbiose zu führen.
Das Interesse liegt nicht in technischer Effekthascherei, sondern in einer subtilen Herangehensweise, dramaturgische Inhalte zu verstärken. Essentiell sind hierfür die Faktoren Bewegung und Geschwindigkeit, Farbpsychologie und Form.
Der zweite Fokus ist die technische Weiterentwicklung von Videoinstallationen im Kunstbereich Theater. „Realtime 3D“, HD-Auflösung und penible choreografische Synchronisation mit den Schauspielern auf der Bühne sind Kernbereiche in der technischen Umsetzung für das Theaterstück „Rabenthal“.

Aufführungsrechte:
Suhrkamp Verlag GmbH & Co KG

Premiere: 8. Juni 2011 im Interkulttheater Wien
Vorstellungen: 9.,10.,11.,15.,16.,17.,18.,22.,23.,24.,25. Juni, Interkulttheater Wien
Rabenthal

Warum

Synopsis

Regiekonzept

Besetzung

Autor

Digitale Fiktion

weitere Infos