"EDUCATING RITA" (Willy Russell)

Synopsis
Susan, verheiratet, Friseurin mit Hauptschulabschluss, trifft einen folgenschweren Entschluß: sie will ihren Horizont und ihre Chancen erweitern. Dazu benötigt sie eine Zulassungsprüfung für ein Studium. Frank, Universitätsprofessor für Literatur, ein desillusionierter Einzelgänger mit Alkoholproblemen, ist ihr im Rahmen eines Fortbildungsprogrammes zur Vorbereitung zugeteilt.
Nach einigen Anfangshürden kommen sich Frank und Susan im Laufe der Unterrichtsstunden auch auf der persönlichen Ebene näher. Die Rollen beginnen zu verschwimmen und im menschlichen Bereich wird auf einmal Susan zur "Erzieherin" und zur Bewährungsprobe für den Lehrer Frank. Susan nennt sich Frank gegenüber Rita, was ihren festen Willen, sich von ihrer bisherigen Lebenswelt abzuheben, ihren Weg zu gehen, dokumentiert. Das stößt in ihrer Familie und bei ihrem Mann auf erheblichen Widerstand und ist Grund für ernste Konflikte.
Als Studentin wiederum stellt Rita Franks Welt auf den Kopf. Angeregt von ihrer frischen, unbedarften Art, stürzt er sich in ihre Ausbildung und lebt dabei auf, plötzlich wird ihm z.B. die Schönheit der Natur wieder bewusst und das Leben richtig lebenswert. Als die Entwicklung von Rita Fortschritte macht, scheint sich Frank sogar in sie zu verlieben. Rita lernt durch Frank die Faszination von Literatur und Kunst kennen und Frank lernt von Rita "zu leben".
Der Preis der Bildung scheint jedoch zu sein, dass sie einen Teil ihres spontanen und impulsiven Temperaments aufgibt, was Frank mit Bedauern beobachtet. Mit dem Fortschritt Ritas verliert die Beziehung an Nähe und Frank muss erkennen, dass seine Schülerin selbstbewusster wird und immer weniger von ihm und seinem Wissen abhängig ist.
Dieses "well-made-play" baut auf dem Pygmalion-Stoff von Bernhard Shaw auf. Es ist ein klassisches Kammerspiel (nur eine Dekoration: Franks Arbeitszimmer) mit zwei faszinierenden Charakterrollen. In feiner Psychologisierung werden die Figuren gezeichnet: die Frustration des alternden ehemaligen Dichters und bekennenden Alkoholikers Frank und die wunderbare Entwicklung der Rita zur gebildeten und charmanten Studentin, die in eine Krise gerät, als sie im Verlauf des Stückes ihre Wurzeln verliert, ohne noch in der neuen fremden akademischen Welt Fuß gefasst zu haben. Berührend auch, wie sie neben ihrer Aufholjagd nach Bildung die Liebe zur Kunst in sich entdeckt.
Letzten Endes erreicht sie ihr Ziel, besteht die Prüfung, während Frank an der Universität in immer größere Schwierigkeiten gerät und zum Schluss nach Australien versetzt wird.
"Bildung für Rita" ist an fast allen englischen Bühnen aufgeführt worden; es machte Willy Russell (*1947) zum - nach Shakespeare - meistgespielten Autor des Jahres 1980, der außerdem für dieses Stück drei Auszeichnungen erhielt.
Auch in der Verfilmung mit Michael Caine und Julie Walters war "Educating Rita" mit drei Oscar-Nominierungen, zwei Golden Globes und drei BAFTA-Awards ein künstlerischer Erfolg und wurde auch vom Publikum weltweit begeistert aufgenommen.



Warum dieses Stück? - Anmerkungen des Regisseurs
Das Stück wurde am 10. Juni 1980 im "Royal Shakespeare Company Warehouse" in London uraufgeführt. In der Folge gab es weltweit zahlreiche Inszenierungen und eine höchst erfolgreiche Verfilmung mit Julie Walters und Michael Caine.

Ein Stück also aus den Achtzigerjahren. Was wäre ein Grund, das erprobte Stück heute wieder auf den Spielplan zu setzen? Gerade in Wien?
Mein Konzept geht von zwei entscheidenden gesellschaftspolitischen Zukunftsfragen aus: Bildung und Integration. Bildung ist der Schlüssel zu gesellschaftlichem Fortschritt, zu politischer Stabilität, zur Entwicklung verantwortungs- und selbstbewußter Bürger und Bürgerinnen und: zur Integration von Menschen, die aus anderen Ländern und Kulturkreisen nach Österreich gekommen sind.

"Educating Rita" trifft beide Hauptbegriffe: Bildung und Integration. Es geht um den bildungsmäßigen Aufstieg von Rita, ihre individuelle Entscheidung, den vorgezeichneten Lebensweg in der Unterschicht mit Migrationshintergrund zu verlassen und sich durch die Aneignung von Wissen und Fähigkeiten eine Chance zu erarbeiten. Das Thema des Tages und der Zukunft für die österreichische, im besonderen wienerische Integrationsproblematik. Eine Geschichte am Puls der Zeit. Die zweite Komponente der Inszenierung, warum sie heute und hier Bedeutung hat, liegt in der Rolle der Rita.

Durch die Entscheidung, Rita mit einer Schauspielerin mit türkischen Wurzeln zu besetzen, wird das Thema Integration / Bildung auf der Bühne direkt augenfällig und plastisch abgehandelt. Rita kämpft sich aus eigener Kraft hoch, sie erkennt, dass Bildung ihre Chancen im Leben erweitert und verbessert. Sie setzt sich ein Ziel und verwirklicht sich dadurch selbst. Wir sehen ein Beispiel, wie es gehen könnte.

Bühnenbild und Ausstattung sollen funktionell und einfach sein, da auch die Möglichkeit gegeben sein soll, an anderen Spielorten, etwa Bildungseinrichtungen, aufzutreten, sodass die Inszenierung auch außerhalb des festen Theaters Diskussionsstoff liefern soll.


Team

Rita/Susan White, Friseurin Özge Dayan-Mair 
Frank Bryant, Literaturprofessor Michael Welz 
REGIE:  Peter Strauss (externer Link)
BÜHNE: Wilhelm Scherübl (ext. Link)
KOSTÜME, REQUISITE, MASKE:  Brigitte S-Berchtold 
MUSIK:  Fredrik Bobr (externer Link)
DRAMATURGIE: Peter Strauss (externer Link)
REGIEASSISTENZ: N.N.
PRODUKTIONSLEITUNG: Club TH






Der Autor:
William "Willy" Martin Russell (* 23. August 1947 in Whiston bei Liverpool) ist ein englischer Autor, Dramaturg, Lyriker und Komponist.
Russell kommt aus einer Arbeiterfamilie. Als Jugendlicher arbeitete er als Friseurlehrling, später betrieb er seinen eigenen Salon. Als Erwachsener nahm er an einer Abendschule Unterricht über das Theater und begann, selbst zu schreiben.
Sein erster Erfolg war ein Stück über die Beatles, es folgten "Educating Rita", ein halb-autobiographisches Stück über eine Friseuse, die ein Studium an der Open University anstrebt, und das Musical "Blood Brothers", dessen Musik er ebenfalls komponierte.
Andere Stücke Russells sind "Breezeblock Park", "Stags and Hens", "One for the Road" und "Shirley Valentine", das auch verfilmt wurde. Für seine Drehbücher für "Educating Rita" und "Shirley" Valentine erhielt er jeweils eine Oscar-Nominierung.
Zuletzt erschien sein Roman "Der Fliegenfänger".


Premiere: 8. Juni 2011 im Interkulttheater
Vorstellungen: 9.,10.,11.,15.,16.,17.,18.,22.,23.,24.,25. Juni, Interkulttheater Wien

Kartenbestellung per mail oder telefonisch: 01 587 05 30

Aufführungsrechte:
LITAG Theaterverlag




Probenfotos von Barbara Palffy

Probenfotos von Brigitte S-Berchtold




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